Executive, 45 Jahre alt. Was jetzt?

Warum Sie in hohen Führungspositionen anders denken und handeln müssen

Gratulation, Sie haben es geschafft! Sie haben Ihre hohe Führungsposition vielleicht deshalb erreicht, weil Sie imstande waren, Ihre Erfahrungen und Gelerntes professionell einzusetzen. So erfolgreich, dass Ihre Vorgesetzten oder ein Headhunter auf Sie aufmerksam geworden sind. Doch wie geht es nun weiter? Werden Sie dieselben Fähigkeiten brauchen und einsetzen wie früher? Oder werden Sie  die Schwerpunkte eher etwas verlagern müssen? Aus Berater-Sicht sage ich: Wahrscheinlich wird eine Verlagerung notwendig sein.

Das Schlimmste ist: überrascht zu werden

Bisher waren Sie möglicherweise erfolgreich, weil Sie sehr viel Zeit für die Aufbereitung von Lösungen verwendet haben; indem Sie etwa viel Energie in Kontrolle und intensive Begleitung von Prozessen gesteckt haben. Hier war vor allem ihr logisches und analytisches Denken nach dem Prinzip „Ursache-Wirkung“ hilfreich.  Mit großem Aufwand haben Sie es so geschafft, Ihre Aufgaben „im Griff“ zu behalten. Sie waren ganz nah am Geschehen und konnten deshalb schnell eingreifen, wenn Unvorhergesehenes  geschah und Änderungen nötig waren.

Das Rezept dagegen: Gelassenheit

Als Executive kann Ihnen genau diese Fähigkeit im Weg stehen. Denn sie birgt die Gefahr, dass Sie mehr managen und kontrollieren als wirklich zu führen. Jetzt wird aber echtes „Leadership“ von Ihnen erwartet. Die Strukturen, für die Sie jetzt verantwortlich sind, sind zu komplex und die Dynamik ist zu hoch, um mit sie mit Ihren erprobten Fähigkeiten im Griff zu behalten. Als Berater höre ich von Führungskräften nicht zufällig oft diesen Satz: „Das Schlimmste für mich ist, von meinem eigenen Unternehmen, von meinem eigenen Bereich, überraschst zu werden“. In dieser Situation hilft nur eines: Umdenken. Nicht alles regulieren wollen und Kontrollmechanismen einführen, sondern von einer gesunden Distanz aus die Prozesse begleiten. Sie müssen lernen zu akzeptieren, dass die Prozesse fast immer ein bisschen anders laufen, als Sie es sich ausgemalt haben. Die Gelassenheit, mit der Sie Abweichungen hinnehmen, wird mitbestimmend sein für Ihren Erfolg als Executive. Sie stärken damit die Selbstständigkeit Ihrer Manager und schaffen Raum für Neues. Kontrollmechanismen schaden, wenn sie zum Angst-, Vermeidungs- oder Misstrauensinstrument mutieren. Kontrollmechanismen nützen, wenn sie als  Steuerungsinstrument eingesetzt werden, um MitarbeiterInnen und Führungskräfte zu stärken sowie Entwicklungen und Transparenz zu fördern.

Stärken statt kontrollieren, Chancen statt Reportings

Stellen Sie sich vor: Sie können die Aufmerksamkeit, die Sie jetzt brauchen, um ihre Organisation zu „kontrollieren“, plötzlich nutzen, um Ihre MitarbeiterInnen und Ihre Organisation zu stärken und wertzuschätzen? Ich vermute,  dass nicht nur ihre Arbeit erfolgreicher sein wird, sondern es  Ihnen auch außerhalb der Arbeit (noch) besser gehen wird. Erfolgreiche Leader schaffen es, mit Unsicherheiten zu leben. Anstatt endlose Reportings von ihren Managern zu verlangen, nützen sie die Chancen, die sich ihnen bieten. Diese etwas andere  Denkweise, die nicht mehr dem „Ursache- Wirkung-Prinzip“ entspricht, lässt sich erlernen. Ein gezieltes Coaching kann dieses „laterale- oder systemische Denken“ stärken. So ein Coaching-Prozess ist harte und intensive Arbeit. Einerseits soll die Authentizität der Person gewahrt bleiben, anderseits ist es natürlich das Ziel des Coachings, die Professionalität und die Rollensicherheit als Executive zu stärken. Dazu braucht es Mut!

Bedenken Sie: Wenn Sie mit 45 Jahren schon eine höhere Führungsposition haben, werden Sie wahrscheinlich noch 20 Jahre lang diese Arbeit machen (müssen). Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu überlegen, welche Ihrer erlernten Fähigkeiten in Ihrer Situation hilfreich sind und welche nicht. Manchmal ist weniger mehr.

Cornelis van der Sluijs, MSc. (51), Miteigentümer der Firma Benchmark human resources ist professioneller systemisch-analytischer Coach für den Executive-Bereich. Er hat selbst als Führungskraft in diversen internationalen Konzernen gearbeitet.
2017-06-01T15:05:12+00:00